Peter Braukmann
FREIGEIST


Rabenlied 2019

Jetzt / Am Ende der Nacht

Peter Braukmann hat in seinem Leben schon einiges Auf und Ab erlebt:
Von Peter Anderson, Sächsische Zeitung 18.09.2019

Meißen. Zur Langen Nacht der Kunst und Kultur sang er am späteren Abend mit Tilo Schiemenz im und vor dem Theater. Zum Mühlentag las er im Triebischtal. Im Mai lud er zusammen mit Schiemenz und Bernd Pakosch zur Rettung des Volksliedes ein. Für den Meißner Folk-Sänger und Kulturmacher Peter Braukmann fängt mit 66 Jahren das Leben gerade erst an. Mit 66 Jahren hat er hörbar Spaß daran.

Seit einigen Tagen liegt von ihm jetzt die CD „Am Ende der Nacht“ vor. Zwölf Titel seiner Lieblingsstücke sind darauf vereint. Sparsam instrumentiert, maximal mit Gitarre, Mundharmonika und Bandoneon, kommen die Lieder mit deutschen Texten direkt und geradlinig zum Zuhörer. Nach einem Ausflug in die glitzernde Scheinwelt des Privatfernsehens in den 1990er Jahre ist der gebürtige Niedersachse zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und musiziert in traditioneller Singer-Songwriter-Manier.

Das besondere an diesem zwölften Tonträger im Musikerdasein des Meißners: Die Lieder liefern sozusagen den Soundtrack zu seinen ersten fünf Lebensjahrzehnten. Verkauft wird die CD mit einem 18 Kurzgeschichten enthaltenden Büchlein. Dies umfasst im Wesentlichen die Kinder- und Jugendjahre des Autors in der tiefsten westdeutschen Provinz. Der zweite Abschnitt widmet sich dem Aufbruch des Nach-Achtundsechzigers in die weite Welt. Im dritten Teil geht es um den Weg in die Folk-Szene. Abschließend folgt ein Blick hinter die Kulissen des deutschen Privatfernsehens in seinen ungestümen Anfangsjahren.

Braukmanns Erfahrungen in Sachsen spielen dagegen keine Rolle. Vielleicht liegt das Erlebte hier noch zu nah, fehlt der nötige Abstand. Vielleicht möchte der kritische und doch behutsame Schreiber aber auch keinem Zeitgenossen zu nahe treten.

Während die biografischen Rückblicke des 66-Jährigen immer wieder zum Schmunzeln und zustimmendem Nicken anregen, verbreiten die Songtexte durchweg eine sentimentale bis melancholische Stimmung, animieren jedoch zum Nachdenken und Nachspüren.

„Und dann sind wir alle älter geworden, auf unserem Marsch durch die Institutionen“, heißt es etwa in dem 1980 entstandenen „Desperados“. Politisch wird es im Rabenlied von 2019: „Ich unterstütz’ die Grünen, das ist meine Partei. Die passt zu meinem Wohlstand, und mal so nebenbei.“



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